www.kreitnergasse proudly presents? Ursula Leitgeb

Idee/Zielsetzung/Konzeption:


Im Jahr der Medien widmet sich das Lehrlingsprojekt ?www kreitnergasse proudly presents..." anfangs der Konstruktion von stehenden als auch bewegten Bildern und ihrer Wirkung. Oder anders formuliert: Wie werden Bilder gemacht und was machen sie mit uns? Durch Reflexionen über zeitgenössische Kunst in der Kunsthalle sowie auch der eigenen Produktion von Kurzfilmen im Medienzentrum, nähern sich die Lehrlinge diesem Thema spielerisch und nach ihren eigenen Interessensgebieten an. Ausgangspunkt für das Projekt ?www Kreitnergasse proudly presents" ist die Ausstellung ?Western Motel- Edward Hopper und die zeitgenössische Kunst" in der Kunsthalle Wien. Edward Hoppers Werke erzählen Geschichten von der Stille, vom Warten, von der Einsamkeit und auch der Verlorenheit des Menschens in den unterschiedlichsten Räumen. Das Filmische ist dabei zentral für die Arbeiten des leidenschaftlichen Kinogängers, der mit seinen Bildwelten bedeutende Regisseure wie Alfred Hitchcock, Wim Wenders und Douglas Sirk beeinflusste. Diese verwendeten seine Bilder nicht nur als Inspiration, sondern auch als tatsächliche Vorlagen für ihre Filmkulissen. Wo Filmregisseure mit ihren bewegten Bildern gute 90 Minuten Zeit haben, um ihre Geschichten zu erzählen, hat ein stehendes Bild nur einen eingefrorenen Moment, um Stimmung, Atmosphäre und den gewollten Inhalt zu vermitteln. Viele der hopperschen Werke funktionieren wie Filmstills, eingefrorene Bilder. In der realistischen Darstellung von Gegenständen und Figuren hält Hopper Atmosphären, subjektive Eindrücke und Empfindungen fest. Er verwendet Licht und Schatten, Farbe, Dynamik und Stillstand sowie Schwellenelemente (Fenster, Türen, Vorhänge), um Spannung zu erzeugen und Geschichten im Kopf der BetrachterInnen in Gang zu setzten. Auffallend bei Hoppers Arbeiten ist die bewusste Manipulation des/der Betrachters/in insbesondere hinsichtlich des Raums, der eine psychische Spannung, Orientierungslosigkeit und eine Atmosphäre der Unsicherheit hervorruft. Hoppers Werke eignen sich daher besonders gut zur genauen Untersuchung der Konstruktion von Bildern und ihrer Wirkungsweisen. Daher bietet es sich an, seine Bilder erstens als Ausgangspunkt zum filmischen Verstehen zu nehmen, also hinsichtlich der Konstruktion von zuerst stehenden Bildern und deren Wirkungsweise. Im zweiten Schritte soll die Untersuchung von bewegten Bildern anhand von Werken zeitgenössicher Künstler in der Ausstellung erfolgen. Und schließlich sollen Hoppers Arbeiten als Inspirationsquelle für die Erfindung von Geschichten fungieren, aus denen die Lehrlinge dann ihre eigenen Kurzfilme weiterentwickeln. Konzept und Zielsetzung: Beim gemeinsamen Ausstellungsbesuch suchen sich die Lehrlinge Bilder aus, die sie zum Weiterspinnen einer Geschichte inspirieren. Dabei begreifen sie das stehende Bild zunächst als Filmstill und versuchen eine Vorher/Nachhergeschichte dazu zu erfinden. Besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der genauen Bildanalyse und daran anschließend auf der Untersuchung der Konstruktion von Bildern. Wie werden durch Farben, Raumkonstruktionen und Licht bestimmte Stimmungen und Gefühle hervorgerufen? Wie wird Spannung erzeugt? Und was ist der Unterschied von Bildern und Filmen? Was lässt uns schon beim zappen erkennen, ob es sich um einen Horrorfilm oder eine Liebesschnulze handelt? Und was löst ein Film aus, in dem nichts oder kaum was geschieht? Und warum schaut man sich so was manchmal trotzdem an? Nach der theoretisch, analytischen Auseinandersetzung in der Kunsthalle steht das praktische Arbeiten mit dem Medium Video (vor und hinter der Kamera) im Vordergrund. Die Notizen aus der Ausstellung werden zu Storyboards und die Storyboards schließlich zu kleinen Filmen erweitert. Als Projektmitarbeiterin und vor allem zur technischen Unterstützung wurde Elsbeth Freidl, langjährige Kameraassistentin bei Werbe-, Fernseh- und Spielfilmproduktionen eingeladen. Wichtig ist: - (kreative) Freiheit im Denken und Handeln - Jeder darf und soll mitreden und mitmachen - Man braucht kein Fachwissen, um bei Kunst mitreden zu dürfen - Alles hat Platz: Kritik, Negatives genauso wie Positives - Der Blick hinter der Kamera/Kameratechnik - Das Gefühl vor der Kamera, Schauspielen, sich in eine Rolle hineinversetzen - Im Zuge des Erarbeitens des Drehbuches und des Storyboards wird ein gemeinschaftliches und demokratisches Kommunizieren und Arbeiten geübt; Regisseure, Schauspieler, Kamera-Ton-Licht-Leute müssen dabei alle gemeinsam zu einer Einigung kommen - Zeitmanagement, Teamarbeit (grundsätzlich probiert jede/r einmal alles, alle sind zum Gelingen notwendig und müssen sich je nach Szene abwechseln;) - Nachbearbeitung, Schneiden, Musikauswahl, Soundeffekte, Photoshop etc. - Erstellen von Emailaussendung, Flyern und Plakaten für die Präsentation - Vorbereitung und Durchführung (Rede) der Präsentation

Wie wurden/werden die Projektziele erreicht?:

Projektverlauf: Bei der Umsetzung der Kurzfilme gingen die Jugendlichen von ihren Filmgewohnheiten, sprich ihren medialen Lebenswelten aus und hatten die Möglichkeit ihre eigene Filmwelt entstehen zu lassen. In Bezug auf die Fachinhalte, wurde das Film- und Medienverständnis durch die Bild- und Filmanalyse in der Kunsthalle, aber vor allem mit der zunehmend eigenen Filmerfahrung erweitert: Wann benutze ich welche Kameraeinstellung, Licht, Musik, welche inhaltliche Veränderung bewirken Schnitte, wie fühlt sich die Filmwelt als Schauspieler an, etc. Die Jugendlichen konnten sich bei dem Projekt auch neue Räumlichkeiten aneignen: Erstens die Kunsthalle, bzw. das Museumsquartier als Kunst- und Kulturzentrum, zweitens das Medienzentrum, das ihnen auch nach dem Projekt zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung steht und sie in ihrem kreativen Schaffen unterstützen kann. Besonders beeindruckend war das Durchhaltevermögen der Jugendlichen, das sich im Laufe des Projektes stark gesteigert hatte. Hilfreich war in diesem Zusammenhang die verbesserte Gruppendynamik, die vor allem durch das intensive Zusammenarbeiten, bzw. die Notwendigkeit, dass jeder benötigt wurde und alle voneinander abhängig waren, gefördert wurde. Selbst Personen, die bisher eher am Rande standen, wurden in die Gruppe hineingenommen. Die große Bandbreite an Aufgaben machte es möglich, viele neue Bereiche auszuprobieren und schließlich eine Aufgabe, die jeder/m zusagte, zu finden. Dabei haben sich die Jugendlichen selbst und gegenseitig in ihren Interessen und Begabungen neu kennen- und schätzen gelernt, sowie sich in der kreativen Teamarbeit geübt. Dieses Klima scheint sich erfreulicherweise auch über das Projekt hinaus auf ihr Arbeitsumfeld übertragen zu haben, wie uns die BetreuerInnen von Weidinger und Partner berichteten. Zum Erfolg des Projektes trug schließlich auch die Präsentation wesentlich bei. Die knapp 80 Zuschauer, die meisten davon Jugendliche, nahmen die Filme begeistert auf. Zwei der SchülerInnen sprachen einleitende Worte und die Lehrlinge nahmen als geschlossene Gruppe den tosenden Applaus zum Schluss entgegen. Dabei zeigte sich auch die veränderte Einstellung der Jugendlichen, die das Projekt vom zuerst schulischen Kontext in ihre Freizeit und ihren Freundeskreis verlagert hatten. Zwei Wochen nach der Präsentation fand ebenfalls noch ein weiteres Gespräch mit den Jugendlichen über die Präsentation und über die Teilnahme an Wettbewerben mit ihren Kurzfilmen statt. Auch hier war die Begeisterung immer noch groß.

Meilensteine:

Drehbeginn 2. Tag 11.00, Drehschluss 2. Tag 14.00,Fertigstellung des Schnitts 3.Tag 21.00,Präsentation in der Kunsthalle

Medienkunde:

Am Anfang stand zwar die theoretische Bildanalyse im Vordergrund, Schwerpunkt war allerdings sehr bald das eigene praktische Ausprobieren. Wichtig war hierbei, dass die Jugendlichen von ihren Sehgewohnheiten und dementsprechend auch von ihren Filmvorlieben ausgehen konnten, ohne dass eine Wertung oder eine Einschränkung unsererseits stattfand. Die Faszination für bspw. Horrorfilme führte zum Wunsch selber einen derartigen Film zu machen. ?Automatisch" wurde daher genau beobachtet, wie werden Horrorfilme gemacht, wie werden Licht, Schatten, Musik etc. verwendet, um Spannung zu erzeugen. Wann sieht der Zuschauer Close-ups, wann Zeitlupen und wie verändern sie den Inhalt, um sie schließlich auch in ihrem Film umsetzen zu können. Beim Drehen fiel schließlich immer mehr auf, wie viel mühsame und genau konstruierte Arbeit hinter einem Horror oder Actionfilm steht und wie behutsam man miteinander umgehen muss, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Insofern wirkten gerade die brutalen Szenen als eigentlich gewalt-reduzierend, da diese Szenen viel mehr Inszenierung, Absprache und Achtsamkeit erforderten. Schließlich wurde bei der Reflektion danach von den SchülerInnen diskutiert, inwiefern ihr neues Wissen und vor allem ihre Erfahrung, ihr Sehverhalten verändert hat: ?Entzauberung" von Filmen, Achten auf Details, bewusstes Wahrnehmen von Effekten.

Mediendidaktik:

Kunsthalle: Ausstellungsbesuch Edward Hopper:
1. Rundgang: Wir widmen uns vor einem Werk von Edward Hopper intensiv der Bildbetrachtung bzw. - beschreibung. Die Jugendlichen werden aufmerksam auf seine Raumgestaltung und den eingesetzten Mitteln, Spannung oder auch Irritationen zu erzeugen. Pro Kleingruppe (2-3) erhalten sie eine Karte auf der eine Freiheitsstatue bzw. brüllender Löwe als Symbol für den Filmbeginn und auf der Rückseite ?THE END" zu sehen ist. Bei einem eigenen Rundgang sollen sie ein Werk in der Ausstellung wählen (eine Fotografie, ein Gemälde, eine Installation oder einen Kurzfilm), das ihnen gefällt oder sie interessiert. Ihre Aufgabe ist, dazu eine kurze Handlung für einen Film zu erfinden. Nicht der ganze Film soll erzählt werden, sondern nur ein Teil, der sich entweder auf den Anfang oder auf das Ende des Filmes beziehen soll. Wichtig: Das Geschehen kann in der Vergangenheit, der Gegenwart oder in der Zukunft stattfinden.
2. Rundgang: Die Jugendlichen präsentieren ihre ausgewählten Werke. Besonderes Augenmerk legen wir zu Beginn ihrer Präsentation (eher Interpretation und Geschichte) auf eine eingehende Bildbeschreibung, damit sie bewusst möglichst viele Werkdetails wahrnehmen. Bei einem weiteren kurzen ?technischen" Rundgang beschränken wir uns bei einigen ausgewählten Arbeiten auf eine kurze technische Kameraeinführung (Bildeinstellung, Brennweite, Kamerabewegung, Zoomen, Kamerafahrt).


Medienzentrum:

Annäherung an die verschiedenen Aufgaben bei Dreharbeiten: Jede/r SchülerIn bekommt die Aufgabe, sich selbst mit einem kurzen Satz ? Ich warte auf..." darzustellen. Jede/r bestimmt selbst den Bildausschnitt und wie er/sie sich selbst vor der Kamera zeigen will. Und jede/r übernimmt im Laufe der Übung alle Funktionen ?hinter der Kamera" - Kamera, Mikrofon, Soundcheck Nach dem gemeinsamen Betrachten zeigen wir ihnen noch verschiedene Filmbeispiele: Realkurzfilm, 2DTrickfilm, 3D-Trickfilm und Pixelation um ihnen verschiedene Möglichkeiten anzubieten. Die Entscheidung fällt aber sehr schnell für kurze Realspielfilm - eine Gruppe entscheidet sich für einen Horrorfilm, die zweite möchte einen bekannten türkischen Actionfilm nachdrehen. Drehtag: Die Jugendlichen sammeln ihre Filmideen und besprechen mögliche Rollenverteilung. Besonders die Gewaltdarstellungen sorgen schon zu Beginn für einige Diskussionen, da die Opferrollen nun doch problematischer wahrgenommen werden und nun doch nicht so begehrt sind. Wir versuchen, uns darauf zu beschränken, eher auf ?Möglichkeiten" hinzuweisen (Wahl der Locations, Einsatz von Licht, Kostüme, Maske, Filmblut....) und sie möglichst eigenständig ihre Ideen entwickeln zu lassen. Die wichtigste Beschränkung auf die wir sie hinweisen, ist, dass die Dreharbeiten um 14.00 abgeschlossen sein müssen und dass wir demzufolge mit möglichst nahen Drehorten vorlieb nehmen müssen und dass wir nicht zu viele Szenen drehen können. Bei den Dreharbeiten beschränken wir uns eher auf technische Hilfestellungen, kurzes Schauspieltraining bzw. Hilfestellungen beim Hineinversetzten in die gewählte Rolle und das Timemanagement. Den Jugendlichen wurde durch die vielen verschiedenen Aufgaben sehr schnell die Wichtigkeit der Arbeit in der Gruppe bewusst als auch eine rechtzeitige gute Absprache und möglichst klare Kommunikation. 2 Jugendliche, die nur an diesem Tag beim Projekt mitarbeiten konnten, übernahmen die Dokumentation der Filmaufnahmen. Filmschnitt: Nach einer kurzen Einführung in die wichtigsten Elemente des Filmschnittprogramms übernahmen die Jugendlichen rasch die Arbeit am Computer. Durch das Vorzeigen unterschiedlicher Wirkung von Musik und Geräuschen wurde ihr Interesse geweckt, dem Tonschnitt ausgiebig Zeit zu widmen. Zeitgleich mit dem Filmschnitt der Kurzfilme arbeiteten die Jugendlichen auch an einem speziellen Nachspann, der zu einem Teil aus Fotos aus der Klasse und Bildern von den Dreharbeiten angefertigt wurde. Dankenswerterweise stellte uns Weidinger und Partner noch einen Halbtag zur Fertigstellung der Filme zu Verfügung. Vorbereitung der Präsentation: In der Berufsschule entwarfen die Jugendlichen Einladungen; die zwei besten Entwürfe wurden sowohl als Email-einladungen als auch als Plakate ausgewählt, die in der Schule und auch in der Kunsthalle ausgehängt wurden. Zum Abschluss erstellte die Klasse auch noch eine Powerpoint-Präsentation des Projekts.

Medienerziehung:

1. theoretische Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Bildern - zuerst bei stehenden Bildern(Bildausschnitt, Licht, Schatten etc.) - dann bei bewegten Bildern (Kameraeinstellung-fahrten, Zeitlupe, Zeitraffer etc.)
2. praktisches Ausprobieren - Der Blick hinter der Kamera/Kameratechnik (Erlernen von neuen Techniken) - Das Gefühl vor der Kamera, Schauspielen, sich in eine Rolle hineinversetzen(Emphatie und Unterscheiden zwischen Spiel und Wirklichkeit, Rolle und Mensch) - Erarbeiten des Drehbuches und des Storyboards - Nachbearbeitung, Schneiden, Musikauswahl, Soundeffekte, Photoshop etc. - Erstellen von Emailaussendung, Flyern und Plakaten für die Präsentation, Powerpointpräsentation als Dokumentation (Arbeiten mit anderen neuen Medien)

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